Brustregister – Was bedeutet das?

Brustregister – Was bedeutet das?

Das Brustregister lässt sich von zwei Seiten beschreiben: Von der physiologischen Seite und von der klanglichen Seite. Für die Praxis ist die klangliche Seite von höhere Bedeutung, daher fange ich damit auch an. Anschließend erläutere ich die physiologischen Grundlagen und Grenze das Brustregister zu anderen Registern ab.

Klang des Brustregisters

In meiner Berufspraxis habe ich festgestellt, dass die Klangempfindungen, wie die Bruststimme klingt nach Ausbildungsstand des Schülers bzw. des Lehrers stark voneinander abweichen.
Voraussetzung, das Brustregister klanglich korrekt zu hören, ist das funktionale Hören. Hören nach Geschmack führt hier nicht weiter.
Ein Brustregister in Idealform klingt

  • laut
  • hell, metallisch
  • offen
  • tief – nämlich bis maximal e’ – aber das ist schon sehr hoch, eigentlich sollte hier schon die Kopfstimme einsetzen!

Diese idealtypsiche Form findet sich bei Anfängerstimmen jedoch selten. Es liegt etwas vor, was Cornelius Reid eine “mixed registration” (in den deutschen Übersetzungen mit “gemischte Registrierung” übersetzt) genannt hat. Ein ungünstiger Begriff mit ungünstiger Übersetzung, weil hiermit gerne “voix mixte” oder “mix voice” oder “Mischstimme” assoziiert wird. Reid meint hiermit eine unbalancierte, wilde, chaotische, unpyhsiologische Mischung. Moshée Feldenkrais hätte von Parasitärspannungen gesprochen.

Physiologie des Brustregisters

Hauptbeteiligte des Brustregisters sind die Stimmlippen selbst, die Stimmlippen sind in der isolierten Form stark aktiviert, damit verkürzt und verdickt.
Animation der Stimmlippen in Brustregister-Funktion
Damit dieses System in Balance bleibt, ist es nötig, dass die Stimmlippen stärker schließen, indem die schließenden Muskeln (M. transversus und M. lateralis) aktiv werden.
Hingegen wenig aktiv bis passiv sind die Gegenspieler, nämlich der Ring-Schildknorpel-Muskel der die Stimmlippen verlängert (M. Cricotyhroideus oder kurz CT) und der Stimmritzenöffner (M. Posticus [Merksatz: Wenn ich die Post in den Briefkasten schmeißen möchte, so muss ich diesen zuerst öffnen!])

Abrenzung des Brustregisters zu anderen Registern

Kopfregister = Falsett + Brustregister


Belt = Kopfregister + besondere Kehlkopfeinstellung


Belt ≠ Brustregister

Es gibt Klangformen, die mit dem Brustregister verwechselt werden könnten oder fälschlicherweise damit in Verbindung gebracht werden, von daher wiederhole ich es noch einaml gerne: Brustregister ist nicht Belten. Belten beinhaltet lediglich einen hohen muskulären Anteil, der auch beim Brustregister vorhanden ist. Anders ausgedrückt: Eine Kuh ist keine Flasche Kakao, auch wenn die Kuh einen hohen Milchanteil aufweist.
Ebenso wird häufig gerne behauptet, dass Twang ein Mittel ist, um das Brustregister mehr mit in die Höhe zu führen. Auch das ist falsch. Eine Stimme mit höherem Twanganteil wird metallischer klingen. Es ist auch möglich Twang überbrustet zu singen, also technisch falsch. Aber Twang ist Twang – eine absichtliche Verengung der epiglottischen Falte (Plica aryepiglottica). Bei unabsichlicher Verengung sind wir schnell im Bereich der Stimmstörungen, insbesondere der funktionellen Dysphonien.

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