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Der Einfluss von Reflux auf die Stimme

Reflux und die Auswirkungen auf die Stimme sind ausführlich erforscht: Quintessenz der Artikel ist es, dass Reflux sehr häufig ist, je nach Studienlage bei 20% bis 40%. Hierbei handelt es sich jedoch um medizinisch relevanten Reflux. Für mich als Gesangslehrer sind selbst leichtere Formen schon relevant, weil sie Einflüsse auf die Stimme haben. Ich schätze den stimmlich relevanten Einfluss von Reflux auf erschreckende 60%. Im Laufe meiner Tätigkeit als Gesangslehrer ist somit ein Fragebogen entstanden, um einen ersten Eindruck zu haben:

Selbsttest auf Reflux

Dieser Fragebogen stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und vor allem ersetzt er keine medizinische Beratung. Er gibt sicherlich gute Hinweise, ersetzt aber keinen Arztbesuch.

Ein Wort zum Datenschutz

Dieser Fragebogen wird lokal auf deinem Computer / Handy mittels JavaScript ausgeführt. Es werden keine Daten gesendet oder gespeichert. Ich kann weder die Ergebnisse des Fragebogens sehen, noch, dass überhaupt jemand den Fragebogen gemacht hat, da ich überhaupt kein Tracking verwende.

Allgemeine Symptome

Welche dieser Symptome treten bei dir auf?








Gesangsspezifische Symptome

Wenn du diesen Fragebogen gefunden hast, aber keinen Bezug zum Gesang hast, überspringe diese Fragen, sei dir aber bewusst, dass der Auswertungsbalken unten dadurch weniger gefüllt ist.



Eine heisere Stimme kann vielfältige Ursachen haben!

Ernährung

Welche Getränke trinkst du im Schnitt pro Tag?





Hier ein paar Anhaltspuntkte zum Rechnen:

GetränkMengeVol-%Alkoholgehalt
1 Weizenbier0,5 l0.0520g
1 Bier0,3 l0.0512g
1 Starkbier0,3 l0.0615g
1 Sekt (Glas)0,1 l0.12510g
1 Weißwein (Glas)0,15 l0.11514g
1 Rotwein (Glas)0,15 l0.12515g
1 Eierlikör20 ml0.142g
1 Amaretto20 ml0.295g
1 Korn20 ml0.325g
1 Jägermeister20 ml0.356g
1 Grappa, Rum, Gin, Vodka, Weinbrand20ml0.46g
1 Whisky oder Scotch20ml0.437g

Nahrungs- und Genussmittel

Welche dieser Nahrungs- und Genussmittel nimmst du sofern nicht anders angegeben am Tag zu dir?

Natürlich haben Zigaretten noch ganz andere schädliche Auswirkungen auf die Stimme, aber sie verursachen tatsächlich auch Reflux!





Umfeld



Sonstiges



Reflux hemmende Faktoren



Auswertung

Die Balken zeigen die Anzahl der Reflux hemmenden und begünstigenden Faktoren an. Für die Auswertung werden unterschiedliche Faktoren unterschiedlich stark gewichtet, z.B. ist 1 Liter Kaffee trinken schlimmer als 1 Liter Obstsaft trinken. Diese Gewichtungen basieren wie der ganze Fragebogen nicht auf medizinischen Studien sondern auf Erfahrung. Hemmende und begünstigende Faktoren können nicht nach dem Motto (-1) + 1 = 0 aufgewogen werden.
Sobald der rechte Balken auch nur wenig gefüllt ist, liegt ein Refluxrisiko vor. Eine Balkenfüllung zu 100% deutet auf einen extrem ungesunden Lebensstil hin.

Reflux hemmende und begünstigende Faktoren

Therapie

Eine Therapie muss der Arzt empfehlen. Meine Handlungsempfehlung ist simpel: Alle Slider und Schalter bei den Reflux begünstigenden Faktoren, die nach rechts geschoben wurden, können Reflux begünstigen. Verändere dein Leben so, dass möglichst viele Slider und Schalter links bleiben können. Selbstverständlich kann es medizinische Gründe geben, die zu Reflux führen. Daher im Zweifel immer zum Arzt. Tipp: Diesen ausgefüllten Fragebogen mit zum Arzt nehmen – als PDF gedruckt oder auf Papier. Diese Seite speichert den Fragebogen nicht. Also zu Hause ausfüllen und dann im Browser beim Arzt öffnen geht schief!

Im Gesang die Höhen trainieren (Männerstimmen)

Die Höhen bei Frauen und bei Männern zu trainieren, unterscheidet sich in einigen Aspekten, hat aber in vielen Bereichen Gemeinsamkeiten.

Genau wie bei der Frauenstimme muss erst einmal geklärt werden, was der Schüler überhaupt mit „die Höhen trainieren“ meint:

Sind die hohen Töne…

  • außerhalb der Erreichbarkeit?
  • zu dünn und sollen tragkräftiger werden?
  • sich im Hals weniger belastend anfühlen?
  • oder noch schlimmer: wenigstens nicht mehr schmerzen?
  • einfach nur an Ästhetik gewinnen?
  • zu keiner Heiserkeit nach dem Gesang führen?

Beurteilung der hohen Töne

Probleme bei „hohen Tönen“ sind meiner Erfahrung nach ausschließlich ein Registerproblem.

Symptomatische Beschreibung der Höhenprobleme bei Männerstimmen


  1. Je höher der Ton, desto lauter muss gesungen werden. Mit sehr viel Energie kann so bis zum f‘ (amerikanich F4) gesungen werden.
  2. Der Klangeindruck der Stimme wird nach oben immer enger, immer schmaler, bis sie irgendwo unterhalb c“ verschwindet.
  3. Der Beltbereich geht bis etwa f‘, vielleicht g‘.
  4. Von etwa c‘ aufwärts kann der Sänger nur noch in Kopfstimme (davon spricht er, er meint aber Falsett) singen.
  5. die Stimme klingt in höherer Lage wie die von Chris Colfer (Kurt Hummel in Glee) – ein exzellenter Sänger, aber dünn in oberer und unterer Lage – sein Markenzeichen
  6. Die Intonation wird ab der Mittellage (c‘) deutlich schlechter.
  7. Das Vibrato wird mit steigender Tonöhe immer „meckernder“

Ursachen und Lösungen der Höhenprobleme bei Männerstimmen

Obige Analyse ist ein Versuch, einen Ansatz in das funktionale Hören zu bringen. Der Erfolg wird hierbei jedoch nur eingeschräkt einsetzen. Ich habe oft Lehrer erlebt, die einem bei einem Kurs zum Thema funktionale Stimmbildung waren und vielleicht ein Buch von Reid darüber gelesen haben und dann sich als funktionale Gesangslehrer verkaufen.

Um aber wirklich funktional zu unterrichten, muss ich funktional hören. Funktional hören ist nämlich nicht stur die „Systemische Schleife“ durchzulaufen: Stimmklanganalyse, Hypothese, Ziel, Intervention.

Warum das so ist, werde ich in einem folgenden Blogbeitrag erläutern.

Unterm Strich möchte ich letztendlich warnen: Stimmentwicklung nach Rezept funktioniert maximal eingeschränkt!

Ursachen und dazugehörige Lösungen zu den Höhenproblemen der Männerstimme

Oben habe ich sieben Symptome aufgelistet, welche jedoch zu drei Ursachen zusammengefasst werden können.

Das Brustregister ist überaktiv

Höhe nur durch Lautstärke | Stimme wird enger | Belt nur bis g‘ | ab c‘ nur noch Falsett | Intonation wird schlechter | Vibrato fängt an zu meckern

Das Brustregister braucht Stärkung

Chris Colfer (Kurt Hummel) Stimme

Reflux

Alle oben außer Chris Colfer

Überaktives Brustregister

Ein zu aktives Brustregister ist der Standardfall, sowohl bei Männerns, als auch bei Frauen. Wir Männer haben jedoch einen Vorteil: Die Überdehnung des Brustregisters bei Männern erfordert viel Kraft und Männer merken schneller als Frauen, dass das Brustregister am Ende ist. Dieses hat mit der Registerverteilung der Stimmen zu tun: Männer haben etwa ⅔ Brustregister und ⅓Kopfregister. Der Kopfregisterbereich ist damit schon im oberen Drittel des gesamten Stimmumfanges. Bei Frauen ist das Verhältnis jedoch ⅓ Brustregister zu ⅔ Kopfregister. Das Perfide ist: Der „Splitpunkt“, also das Passagio, der Übergang zwischen Brust- und Kopfregister liegt bei Männern als auch Frauen um d‘. Frauen Können damit das Brustregister ohne viel Kraft überdehenn, weil der Bereich immer noch in der Mittellage der Stimme liegt. Mit leichten Vokalen, Bewegung der Stimme und leisen Tönen muss hier als erstes das Brustregister beruhigt werden. Nachdem es beruhigt ist, kann das Falsett gestärkt werden. Dieser Prozess kann je nach Registerinbalance einige Wochen bis einige Jahre dauern. Die Hyperfunktion des Brustregisters spiegelt sich auch sehr häufig im gesamten körperlichen Tonus wieder, so dass ich zusätzlich mit der Feldenkrais-Arbeit Erfolge erziele.

Das Brustregister muss gestärkt werden

Für den angehenden Pädagogen sage ich: Dieser Fall ist bei Männerstimmen sehr, sehr selten. Das Falsett ist der dominante Stimmanteil, die Stimme ist sehr leicht und flexibel. Eine tolle Voraussetzung! Das Brustregister wird durch laute, tiefe Töne mit den Vokalen a und ä gut getriggert. Für den fortgeschrittenen Pädagogen: Selbstverständlich kommt es regelmäßig bei Männerstimmen vor, dass es in bestimmten Tonbereichen (gerne c bis g) das Brustregister zu schwach ist.

Reflux

Reflux, auch GERD genannt, kann massive Einflüsse auf Stimmen haben. Die starken extrinsischen Spannungen und pathologischen organischen Veränderungen machen Gesangsunterricht und Stimmtherapie nachranging, weil hier erst einmal die Ursache behoben werden muss.

Heiserkeit deutet auf eine Störung oder Erkrankung der Stimme hin. Auf Heiserkeit als Symptom einer Erkältung gehe ich hier nicht ein. Aus gesangspädagogischer Sicht habe ich in meiner Berufspraxis folgende Heiserkeitsformen beobachtet:

Jede dieser Symptomatiken benötigt einen spezifischen Umgang.

Chronische Heiserkeit

Ein Symptom mit vielen möglichen Ursachen. Der Arzt (Phoniater oder HNO) ist hier gefragt. Im Vorfeld versuche ich jedoch schon ein wenig der Ursache auf die Schliche zu kommen:

Ursachen können sein:

Die Behandlung dieser Problematik erfolgt ursächlich.

Heiserkeit nach dem Singen…

… entsteht durch einen falschen Gebrauch der Stimme. Das Brustregister wird zu agressiv zu weit nach oben geführt. Der gut gemeinte Rat, mit besserer Stütze die Heiserkeit zu vermeiden verstärkt die Problematik nur. Funktionaler Stimmgebrauch ist das einzige Mittel gegen Stimmprobleme. Entsteht Heiserkeit durch den Gesangsunterricht, so ist es dringend nötig, den Gesangslehrer zu wechseln.

Bei pathologisch funktionell gestörten Stimmen, insbesondere mit hohem hypofunktionellen Anteil (hypo = wenig, nicht hyper!) kommt es vor, dass die Sängerinnnen und Sänger schnell ermüden. Trotz der schwachen Stimme ist häufig das Brustregister immer noch mit schuld. Letztendlich ist es eine Variation der im folgenden Abschnitt dargestellten Störung:

Funktional-Psychogene Heiserkeit

In mehreren Fällen kamen Schüler zu mir in den Unterricht mit stark belegter Stimme. Die Stimme war dazu sehr unbeweglich und im Stimmumfang eingeschränkt. In allen Beispielen waren die Stimmen zuvor immer unauffällig. Im Gespräch stellte sich raus, dass die Schüler unter Stress standen: Das Abitur stand zum Beispiel an. Durch funktionalen Gesangsunterricht ist dieses Problem in unter einer Stunde zu beheben, zumindest für den Tag. Letztendlich muss die Stressursache behoben werden.

Unter einer Hyperfunktion versteht man eine muskuläre Aktivität die über das optimale Niveau hinausgeht. Hyperfunktionen sind somit bei fast jedem Menschen vorhanden, ohne, dass sie als pathologisch angesehen werden müssen. Erst, wenn die Hyperfunktion Beeinträchtigungen im Leben bereitet, bedarf diese Behandlung.

Symptome

Folgende Symptome deuten auf eine Hyperfunktion hin:

Ursachen

Ursachen einer Hyperfunktion sind Verspannungen, und Reflux, welcher die Verspannung verstärkt. Durch falschen Gebrauch und falsche Gewohnheiten kommt es auch vor, dass die falschen Muskeln Aufgaben anderer Muskeln übernehmen. Falscher Gebrauch kann es zum Beispiel sein, Lautstärke stimmlich kompensieren zu wollen – auf Partys oder sehr häufig: Als Lehrer in der Klasse. Weitere Ursachen sind Rauchen und Trinken.

Im konkreten Fall einer stimmlichen Hyperfunktion sieht das so aus, dass der M. vocalis die Tonhöhenregulation übernimmt, an Stelle des M. cricothyroideus.

Es kommt ebenfalls vor, dass eine Hypofunkion mit einer Hyperfunktion versucht wird zu kompensieren, was zu einem problematischen gemischten Krankheitsbild führt.

 

Ursachen einer Hyperfunktionellen Dysphonie sind laut der Klink am Osterbach, Bad Oeyinghausen:

 

 

(Klink am Osterbach)

Behandlung

Ist Stress die Ursache von Hyperfunktion, so ist die Stressreduktion ein wichtiges Mittel. Ein Buch, welches sich ausführlich mit der Thematik auseinandersetzt ist "StressDepression" von Otto Benkert.

Einhergehend mit der ursächlichen Therapie, gilt es, die Verspannungen zu lösen. Hierzu bieten sich funktionale Übungen von Cornelius L. Reid an, unterstützend ggf. Übungen von Romert oder Rabine. Ein erfahrener Gesangspädagoge hilft hier weiter, auch wenn es nur darum geht, die Sprechstimme zu stabilisieren.

Generell helfen alle leisen, hauchigen, gesäufzten, weinerlichen und stöhnenden Töne, die Vocalis­hyperfunktion zu besänftigen. Erfahrungsgemäß tun sich Betroffene hier teilweise mit schwer, es kommt bei erster Befreiung der Falsettfunktion (d.h. der Auflösung der Hyperfunktion) zu starken emotionalen Reaktionen, z.B. weinen, aber auch schon einmal zu einem Freiheitsgefühl. Hier zeigt sich, warum psychotherapeutische Intervention manchmal nicht falsch ist: Alle Übungen haben etwas mit Loslassen zu tun, etwas, was z.B. eine alleinerziehende Mutter mit großer Verantwortung und schlechtem Job nur sehr schwer machen kann. Auf einmal nicht mehr zu kämpfen wird ihr sehr schwerfallen.

Reid sagte hierzu:

Destroy the voice; destroy the psyche. Restore the voice; restore the Psyche.

Cornelius Reid auf liberatedvoice.com