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Der Einfluss von Reflux auf die Stimme

Reflux und die Auswirkungen auf die Stimme sind ausführlich erforscht: Quintessenz der Artikel ist es, dass Reflux sehr häufig ist, je nach Studienlage bei 20% bis 40%. Hierbei handelt es sich jedoch um medizinisch relevanten Reflux. Für mich als Gesangslehrer sind selbst leichtere Formen schon relevant, weil sie Einflüsse auf die Stimme haben. Ich schätze den stimmlich relevanten Einfluss von Reflux auf erschreckende 60%. Im Laufe meiner Tätigkeit als Gesangslehrer ist somit ein Fragebogen entstanden, um einen ersten Eindruck zu haben:

Selbsttest auf Reflux

Dieser Fragebogen stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und vor allem ersetzt er keine medizinische Beratung. Er gibt sicherlich gute Hinweise, ersetzt aber keinen Arztbesuch.

Ein Wort zum Datenschutz

Dieser Fragebogen wird lokal auf deinem Computer / Handy mittels JavaScript ausgeführt. Es werden keine Daten gesendet oder gespeichert. Ich kann weder die Ergebnisse des Fragebogens sehen, noch, dass überhaupt jemand den Fragebogen gemacht hat, da ich überhaupt kein Tracking verwende.

Allgemeine Symptome

Welche dieser Symptome treten bei dir auf?








Gesangsspezifische Symptome

Wenn du diesen Fragebogen gefunden hast, aber keinen Bezug zum Gesang hast, überspringe diese Fragen, sei dir aber bewusst, dass der Auswertungsbalken unten dadurch weniger gefüllt ist.



Eine heisere Stimme kann vielfältige Ursachen haben!

Ernährung

Welche Getränke trinkst du im Schnitt pro Tag?





Hier ein paar Anhaltspuntkte zum Rechnen:

GetränkMengeVol-%Alkoholgehalt
1 Weizenbier0,5 l0.0520g
1 Bier0,3 l0.0512g
1 Starkbier0,3 l0.0615g
1 Sekt (Glas)0,1 l0.12510g
1 Weißwein (Glas)0,15 l0.11514g
1 Rotwein (Glas)0,15 l0.12515g
1 Eierlikör20 ml0.142g
1 Amaretto20 ml0.295g
1 Korn20 ml0.325g
1 Jägermeister20 ml0.356g
1 Grappa, Rum, Gin, Vodka, Weinbrand20ml0.46g
1 Whisky oder Scotch20ml0.437g

Nahrungs- und Genussmittel

Welche dieser Nahrungs- und Genussmittel nimmst du sofern nicht anders angegeben am Tag zu dir?

Natürlich haben Zigaretten noch ganz andere schädliche Auswirkungen auf die Stimme, aber sie verursachen tatsächlich auch Reflux!





Umfeld



Sonstiges



Reflux hemmende Faktoren



Auswertung

Die Balken zeigen die Anzahl der Reflux hemmenden und begünstigenden Faktoren an. Für die Auswertung werden unterschiedliche Faktoren unterschiedlich stark gewichtet, z.B. ist 1 Liter Kaffee trinken schlimmer als 1 Liter Obstsaft trinken. Diese Gewichtungen basieren wie der ganze Fragebogen nicht auf medizinischen Studien sondern auf Erfahrung. Hemmende und begünstigende Faktoren können nicht nach dem Motto (-1) + 1 = 0 aufgewogen werden.
Sobald der rechte Balken auch nur wenig gefüllt ist, liegt ein Refluxrisiko vor. Eine Balkenfüllung zu 100% deutet auf einen extrem ungesunden Lebensstil hin.

Reflux hemmende und begünstigende Faktoren

Therapie

Eine Therapie muss der Arzt empfehlen. Meine Handlungsempfehlung ist simpel: Alle Slider und Schalter bei den Reflux begünstigenden Faktoren, die nach rechts geschoben wurden, können Reflux begünstigen. Verändere dein Leben so, dass möglichst viele Slider und Schalter links bleiben können. Selbstverständlich kann es medizinische Gründe geben, die zu Reflux führen. Daher im Zweifel immer zum Arzt. Tipp: Diesen ausgefüllten Fragebogen mit zum Arzt nehmen – als PDF gedruckt oder auf Papier. Diese Seite speichert den Fragebogen nicht. Also zu Hause ausfüllen und dann im Browser beim Arzt öffnen geht schief!

Der Unterschied zwischen funktionellem Gesangsunterricht und Stimmtherapie

Das ist ja Stimmtherapie!

„Das ist ja Stimmtherapie!“, so der begeisterte Kommentar eines Schülers bei mir in Overath nach einer Übung, die auch deutlich die Heiserkeit seiner Sprechstimme reduzierte. Aber ich will vorne beginnen: Vor einigen Monaten kam ein neuer Schüler zu mir in den Gesangsunterricht, der tatsächlich vorher in logopädischer Behandlung war. Ziel seiner Stimmtherapie war es, seine funktionelle Dysphonie zu behandeln. Der Schüler stellte sich also in der Probestunde bei mir vor und schon bei den ersten Worten war klar, dass die Dysphonie nicht ausgeheilt war. Ich hörte (neben anderen Dingen, die hier nicht adequat in Worte gefasst werden können) Heiserkeit in der erhöhten Sprechstimme und sofort war für mich mein Ansatz im Gesangsunterricht klar. Ich begann mit kleinen falsettigen Baby-[i:] im Bereich um das g‘. Seine Stimme hatte Anfangs Probleme, diese neue feine Spannung anzunehmen, was für eine Anfängerstimme völlig in Ordnung ist. Über die Wochen lernte seine Stimme immer mehr den Zugang zum Falsett bis es sich sehr plötzlich in der letzte Stunde wirklich anfing zu befreien. Die Stimme krachte voller Störklänge – unter den Störklängen zum ersten mal hörbar: Ein echtes Falsett. Das Ergebnis war, dass die Sprechstimme nach diesen Übungen auffällig klar war und der Schüler sagte darauf hin, dass das ja Stimmtherapie sei.

Das Problem mit dem Begriff „Therapie“

Das Wort „Therapeut“ ist entgegen landläufiger Meinung bis auf bestimmte Berufsgruppen, wie z.B. Psychotherapeut nicht geschützt. AZ 15 O 100/08 LG Kiel sowie 6W 52 08 OLG Schleswig. So sind auch die Begriffe Stimmtherapeut und Sprachtherapeut nicht im Verzeichnis anerkannter Ausbildungsberufe geführt. Staatlich geprüfte Atem- Sprech- und Stimmlehrer jedoch schon. Also rein rechtlich könnte ich vermutlich davon reden, dass ich Stimmtherapie anbiete. (Und Feldenkrais-Therapie.)

Guter Gesangsunterricht ist funktionelle Stimmtherapie

Ich persönlich unterscheide vom Vorgehen nicht zwischen Gesangsunterricht und Stimmtherapie, da es das selbe ist. Sprechen und Singen nutzt den Kehlkopf. Beim Gesangsunterricht soll die Stimme leistungsfähiger werden, in der Stimmtherapie ebenfalls. Natürlich wird im Gesangsunterricht ein Hochleistungslevel angestrebt. In der Stimmtherapie reicht es ggf. im Alltag ohne Schmerzen sprechen zu können. Von der Denkweise gehe ich jedoch komplett anders heran. Häufig ist es in der Therapie so, dass ein Symptom x mit Mittel y therapiert wird, ohne dabei zu beachten, dass dadurch z beeinflusst wird. Natürlich ändert sich hier auch sehr viel, aber nach wie vor haben wir ein Krankensystem und kein Gesundheitssystem. Beispiel: Profigehörschutz für Musiker (ca. 170 € bis 200 €) wird von der Krankenkasse noch nicht einmal bezuschusst. Die enorm höheren Kosten der Behandlung beim Ohrenarzt und Hörgeräte übernimmt die Krankenkasse aber. Die Betrachtungsweise bei mir im Gesangsunterricht ist jedoch ganzheitlich: Durch meine Ausbildung als Feldenkraislehrer und Erfahrung als Gesangslehrer nehme ich sehr schnell den Menschen als Ganzheit mit seinen komplexen Verwobenheiten von Verhalten, Gestik, Mimik, Psychodynamik war und kann so sehr komplex interagieren. Ein Beispiel: Bei heiseren Stimmen liegt die Ursache sehr häufig schlicht und einfach daran, dass der Schüler oder die Schülerin Reflux hat – und das meistens wegen täglichem Kaffeekonsum oder Stress oder beidem zusammen. Bei einer anderen Schülerin (ohne pathologische Stimmsymptome) konnte ich die Register nicht verbinden und die Haltung auffällig. Hausaufgabe: Spezifische Feldenkraislektionen. Die Schülerin nahm den Rat ernst, richtete sich innerhalb einiger Wochen erheblich auf und die Stimme schwingt seither frei verbunden.

Guter Gesangsunterricht ist funktionelle Stimmtherapie mit dem Fokus auf bereits funktionierende Stimmkomponenten und den Menschen in seiner Gesamtheit, welche bekanntlich mehr ist, als die Summe seiner Teile.

Cornelius Berger

Im Gesang die Höhen trainieren (Männerstimmen)

Die Höhen bei Frauen und bei Männern zu trainieren, unterscheidet sich in einigen Aspekten, hat aber in vielen Bereichen Gemeinsamkeiten.

Genau wie bei der Frauenstimme muss erst einmal geklärt werden, was der Schüler überhaupt mit „die Höhen trainieren“ meint:

Sind die hohen Töne…

  • außerhalb der Erreichbarkeit?
  • zu dünn und sollen tragkräftiger werden?
  • sich im Hals weniger belastend anfühlen?
  • oder noch schlimmer: wenigstens nicht mehr schmerzen?
  • einfach nur an Ästhetik gewinnen?
  • zu keiner Heiserkeit nach dem Gesang führen?

Beurteilung der hohen Töne

Probleme bei „hohen Tönen“ sind meiner Erfahrung nach ausschließlich ein Registerproblem.

Symptomatische Beschreibung der Höhenprobleme bei Männerstimmen


  1. Je höher der Ton, desto lauter muss gesungen werden. Mit sehr viel Energie kann so bis zum f‘ (amerikanich F4) gesungen werden.
  2. Der Klangeindruck der Stimme wird nach oben immer enger, immer schmaler, bis sie irgendwo unterhalb c“ verschwindet.
  3. Der Beltbereich geht bis etwa f‘, vielleicht g‘.
  4. Von etwa c‘ aufwärts kann der Sänger nur noch in Kopfstimme (davon spricht er, er meint aber Falsett) singen.
  5. die Stimme klingt in höherer Lage wie die von Chris Colfer (Kurt Hummel in Glee) – ein exzellenter Sänger, aber dünn in oberer und unterer Lage – sein Markenzeichen
  6. Die Intonation wird ab der Mittellage (c‘) deutlich schlechter.
  7. Das Vibrato wird mit steigender Tonöhe immer „meckernder“

Ursachen und Lösungen der Höhenprobleme bei Männerstimmen

Obige Analyse ist ein Versuch, einen Ansatz in das funktionale Hören zu bringen. Der Erfolg wird hierbei jedoch nur eingeschräkt einsetzen. Ich habe oft Lehrer erlebt, die einem bei einem Kurs zum Thema funktionale Stimmbildung waren und vielleicht ein Buch von Reid darüber gelesen haben und dann sich als funktionale Gesangslehrer verkaufen.

Um aber wirklich funktional zu unterrichten, muss ich funktional hören. Funktional hören ist nämlich nicht stur die „Systemische Schleife“ durchzulaufen: Stimmklanganalyse, Hypothese, Ziel, Intervention.

Warum das so ist, werde ich in einem folgenden Blogbeitrag erläutern.

Unterm Strich möchte ich letztendlich warnen: Stimmentwicklung nach Rezept funktioniert maximal eingeschränkt!

Ursachen und dazugehörige Lösungen zu den Höhenproblemen der Männerstimme

Oben habe ich sieben Symptome aufgelistet, welche jedoch zu drei Ursachen zusammengefasst werden können.

Das Brustregister ist überaktiv

Höhe nur durch Lautstärke | Stimme wird enger | Belt nur bis g‘ | ab c‘ nur noch Falsett | Intonation wird schlechter | Vibrato fängt an zu meckern

Das Brustregister braucht Stärkung

Chris Colfer (Kurt Hummel) Stimme

Reflux

Alle oben außer Chris Colfer

Überaktives Brustregister

Ein zu aktives Brustregister ist der Standardfall, sowohl bei Männerns, als auch bei Frauen. Wir Männer haben jedoch einen Vorteil: Die Überdehnung des Brustregisters bei Männern erfordert viel Kraft und Männer merken schneller als Frauen, dass das Brustregister am Ende ist. Dieses hat mit der Registerverteilung der Stimmen zu tun: Männer haben etwa ⅔ Brustregister und ⅓Kopfregister. Der Kopfregisterbereich ist damit schon im oberen Drittel des gesamten Stimmumfanges. Bei Frauen ist das Verhältnis jedoch ⅓ Brustregister zu ⅔ Kopfregister. Das Perfide ist: Der „Splitpunkt“, also das Passagio, der Übergang zwischen Brust- und Kopfregister liegt bei Männern als auch Frauen um d‘. Frauen Können damit das Brustregister ohne viel Kraft überdehenn, weil der Bereich immer noch in der Mittellage der Stimme liegt. Mit leichten Vokalen, Bewegung der Stimme und leisen Tönen muss hier als erstes das Brustregister beruhigt werden. Nachdem es beruhigt ist, kann das Falsett gestärkt werden. Dieser Prozess kann je nach Registerinbalance einige Wochen bis einige Jahre dauern. Die Hyperfunktion des Brustregisters spiegelt sich auch sehr häufig im gesamten körperlichen Tonus wieder, so dass ich zusätzlich mit der Feldenkrais-Arbeit Erfolge erziele.

Das Brustregister muss gestärkt werden

Für den angehenden Pädagogen sage ich: Dieser Fall ist bei Männerstimmen sehr, sehr selten. Das Falsett ist der dominante Stimmanteil, die Stimme ist sehr leicht und flexibel. Eine tolle Voraussetzung! Das Brustregister wird durch laute, tiefe Töne mit den Vokalen a und ä gut getriggert. Für den fortgeschrittenen Pädagogen: Selbstverständlich kommt es regelmäßig bei Männerstimmen vor, dass es in bestimmten Tonbereichen (gerne c bis g) das Brustregister zu schwach ist.

Reflux

Reflux, auch GERD genannt, kann massive Einflüsse auf Stimmen haben. Die starken extrinsischen Spannungen und pathologischen organischen Veränderungen machen Gesangsunterricht und Stimmtherapie nachranging, weil hier erst einmal die Ursache behoben werden muss.

Im Gesang die Höhen trainieren

Vielfach besteht der Wunsch, im Gesang die Höhen zu trainieren, was auch immer das heißen mag.

Dieser Beitrag nimmt ausschließlich Bezug auf Frauenstimmen. Im folgenden Beitrag werde ich zu Männerstimmen schreiben. Ich werde den Beitrag dann ebenfalls verlinken. Ich empfehle, den RSS-Feed zu abonieren, um automatisch auf dem Laufenden zu bleiben.

Sollen die hohen Töne
  • überhaupt erst einmal erreichbar sein?
  • voller werden?
  • sich leichter anfühlen?
  • womöglich nicht mehr wehtun?
  • allgemein besser klingen?
  • nicht mehr zur Heiserkeit führen?

Analyse der Höhen

Meiner Erfahrung nach passiert es durchaus häufiger, dass Schüler etwas sagen, aber etwas anderes meinen. Ebenfalls häufig kommt es vor, dass der Wunsch, „die Höhe zu trainieren“ zwar legitim ist, aber die fehlende Höhe nur ein Symptom einer anderen Problematik ist. Um ehrlich zu sein – das ist immer so.

Ein Höhenproblem ist immer ein Registerproblem.

Cornelius Berger

Um dieses Registerproblem zu lösen, ist die Frage zu stellen, was konkret in der Höhe passiert und was für den individuellen Sänger Höhe heißt. Folgende Erkenntnisse – rein klanglich beurteilt – führen näher zum Ziel:

Höhenprobleme bei Frauen


  1. Mit steigender Tonhöhe wird die Stimme lauter, schärfer, härter, bekommt mehr „Edge“, mehr Kante. Etwa bei b‘ / h‘ (amerikanisch Bb4 /B4) – in extremen Fällen erst knapp oberhalb c“ (C5) bricht dann diese kräftige Stimme knackend weg und ist nur noch sehr dünn vorhanden
  2. Die Stimme wird mit zunehmender Tonhöhe immer schmaler, ggf. werden die Twang-Anteile im Klang mehr, die Stimme bricht jedoch nicht weg sondern verschwindet nach oben, bis sie oberhalb c“ (C5) nicht mehr vorhanden ist.
  3. Der Bereich in dem der Sänger belten kann ist stark begrenzt. Wie in Beispiel 1 hört der Belt-Bereich knapp unterhalb oder um c“ (C5) auf.
  4. Tonhöhen über c“ (C4)erreicht die Sängerin ohne Probleme, aber zwischen d“ und f“ (D4 und F4) fängt die Stimme förmlich an zu „zerbröckeln“ und zu quietschen.
  5. Die Mittellage und die hohe Lage ist für die Sängerin ohne Problem zu erreichen, es gibt keine, oder keine ausgeprägten Brüche. Die Stimme klingt weich, lieblich, wie ein Chormädchen. Ggf. ist sogar ein Vibrato vorhanden, jedoch ist die Stimme nicht tragfähig, dünn, matt, ohne Brillianzen.
  6. In der hohen Lage (oberhalb c“ [C4]), ggf. auch schon tiefer, wird die Intonation unsauber, die Töne sind zu tief.
  7. Das Vibrato wird mit steigender Tonöhe immer schneller.

Höhen bei Männern

In diesem Beitrag behandel ich nur die Thematik bei Frauenstimmen. Im folgenden Blogbeitrag werde ich die Höhenproblematik bei Männerstimmen betrachten. Ich werde den Beitrag bei Release verlinken.

Ursachen und Lösung der Höhenprobleme

Diese sechs Symptome, welche ich oben identifiziert habe, sind jedoch auf nur zwei, ggf. drei Ursachen zurückzuführen:

Zu agressives Brustregister

Stimme bricht | Stimme wird schmal | Beltumfang stark begrenzt | Stimme bröckelt | Vibrato zu schnell

Zu schwaches Brustregister

Chormädchenstimme

Reflux

Stimme bröckelt

Eine „fehlende Stütze“ ist hier nicht die Ursache. Stütze ist das, was entsteht, wenn man richtig singt. Stützen kann man nicht lernen und das Wort „stützen“ kommt im funktionalen Stimmgebrauch nicht vor, weil es nicht nötig ist.

Zu agressives Brustregister

Die Sängerin verwendet hier das Brustregister unphysiologisch hoch und übergeht sämtliche Warnungen, die der Körper signalisiert. Das Brustregister wird bis weit über das gesunde Limit beansprucht, bis es so weit an der Grenze ist, dass es letztendlich in einem letzten Rettungsversuch entweder immer schmaler wird, oder plötzlich kollabiert. Was übrig bleibt, ist das Falsett, welches dann isoliert und untrainiert den Job alleine machen muss.

Diese Art von Gesang hat ausdrücklich nichts mit Belten zu tun. Leider ist es so, dass die meisten Sängerinnen meinen, dass sie Belten. Die ungeschminkte Wahrheit ist, dass sie brüllen. Echtes Belten ist unschädlich und nicht anstrengend. In vielen Bereichen ist Belt und Brustregister klar voneinander abzugrenzen. Dieses ist jedoch ein Thema für einen separaten Blogbeitrag.

Die Lösung ist in der Theorie sehr einfach: Das hochagressive Brustregister muss in der Mittellage beruhigt werden, (Blogbeitrag folgt.) das Falsett gestärkt werden. (Blogbeitrag folgt.)

Weniger ist mehr! Die bisherige Strategie nach oben mehr Kraft zu verwenden wird die Stimme immer weiter einschränken!

Nach Beruhigung und separater Stärkung der Register werden die Register miteinander koordiniert. (Blogbeitrag folgt.) Die praktische Umsetzung dieser Lösung braucht jedoch je nach Schweregrad sehr viel Geschick, Erfahrung und vor allem Geduld. Bei hochgradig hyperfunktionell gestörten Stimmen benötige ich hierfür durchaus mehrere Jahre.

Ergänzend hierzu rate ich dringend dazu, funktionale Stimmtherapie zu nehmen.

Zu schwachse Brustregister

In seltenene Fällen ist das Brustregister zu schwach. Innerhalb der letzte 10 Jahre kann ich mich an zwei Sängerinnen erinnern, wo dieses der Fall ist. Die eine hat jahrelang in einem sehr guten Mädchenchor gesungen. Hier ist ein Chormädchenfalsett natürlich für den Zweck wunderbar: Alle Stimmen klingen gleich, schwingen nicht, oder nur wenig, die Stimmen sind frei, die Höhen sind da.

Was diesen Stimmen in der Regel fehlt sind solistische Qualität, glanz, Vibrato und Individualität sowie die Fähigkeit Emotionen auszudrücken.

Die Vorgehensweise ist hier Gegenteil zur vorherigen Vorgehensweise: Das Brustregister muss erst einmal gefunden werden. Anschließend wird es gestärkt und dann mit dem Falsett verbunden. Aber auch hier äußert sich das Brustregister häufig in seiner typischen Eigenschaft: Es ist häufig zwar schwach, aber dennoch agressiv und sträubt sich gegen die Einbindung. Ganz oder gar nicht – aber im Team mit dem Falsett – nein! Mit ausreichender Geduld wird das Brustregister jedoch auch hier zahm.

Reflux

Insbesondere am Anfang der zweigestrichenen Oktave ist die Registerkoordination durch Reflux (also zurücklaufende Magensäure bis in den Kehlkopf) leicht bis massiv gestört. Hier kann ich nur beraten: (Blogbeitrag folgt.) Stress reduzieren, keinen Kaffee trinken, gesund ernähren. Letztendlich ist dieses die Aufgabe eines fähigen Arztes, der den Reflux im Idealfall ursächlich behandelt. Protonenpumpenhemmber wie Pantoprazol, Omeprazol und Emeprazol haben Nebenwirkungen und behandeln symptomatisch. Antazida (wie Gaviscon, Talcit etc.) arbeiten noch weiter an der Oberfläche ausschließlich symptomatisch.

Wenn dich ein spezifisches Thema interessiert, über welches ich schreiben soll, dann schreibe mir!

Unter einer Hyperfunktion versteht man eine muskuläre Aktivität die über das optimale Niveau hinausgeht. Hyperfunktionen sind somit bei fast jedem Menschen vorhanden, ohne, dass sie als pathologisch angesehen werden müssen. Erst, wenn die Hyperfunktion Beeinträchtigungen im Leben bereitet, bedarf diese Behandlung.

Symptome

Folgende Symptome deuten auf eine Hyperfunktion hin:

  • Heiserkeit (insbesondere nach intensiverem Stimmgebrauch)
  • schnelle Ermüdbarkeit der Stimme
  • Träge Tonhöhenregulation
  • (völliger) Verlust des Kopfregisters
  • (völliger) Verlust der Falsettfunktion
  • "Loch" in der Stimme im Passagiobereich
  • Häufiger Räusperzwang
  • Globusgefühl, Frosch im Hals
  • Fremdkörpergefühl
  • Gefühl als würde ein Ring um den Kehlkopf gelegt, und zugezogen sein
  • Hauchige Stimme
  • Raue Stimme
  • Sichtbarer Einsatz der äußeren Halsmuskulatur beim Singen
  • Verzerrtes Gesicht beim Singen

Ursachen

Ursachen einer Hyperfunktion sind Verspannungen, und Reflux, welcher die Verspannung verstärkt. Durch falschen Gebrauch und falsche Gewohnheiten kommt es auch vor, dass die falschen Muskeln Aufgaben anderer Muskeln übernehmen. Falscher Gebrauch kann es zum Beispiel sein, Lautstärke stimmlich kompensieren zu wollen – auf Partys oder sehr häufig: Als Lehrer in der Klasse. Weitere Ursachen sind Rauchen und Trinken.

Im konkreten Fall einer stimmlichen Hyperfunktion sieht das so aus, dass der M. vocalis die Tonhöhenregulation übernimmt, an Stelle des M. cricothyroideus.

Es kommt ebenfalls vor, dass eine Hypofunkion mit einer Hyperfunktion versucht wird zu kompensieren, was zu einem problematischen gemischten Krankheitsbild führt.

 

Ursachen einer Hyperfunktionellen Dysphonie sind laut der Klink am Osterbach, Bad Oeyinghausen:

 

  • Stimmüberlastung
  • Stimmmissbrauch
  • erhöhter Geräuschpegel
  • Party-Syndrom
  • Rauchen
  • Trinken
  • Sprechen mit schwerhörigen Angehörigen
  • Singen in zu hoher Lage
  • übermäßiges Husten und Räuspern
  • schlechter körperlicher Allgemeinzustand
  • Hörwahrnehmungsdefizite
  • Stress
  • berufliche Überforderung

 

(Klink am Osterbach)

Behandlung

Ist Stress die Ursache von Hyperfunktion, so ist die Stressreduktion ein wichtiges Mittel. Ein Buch, welches sich ausführlich mit der Thematik auseinandersetzt ist "StressDepression" von Otto Benkert.

Einhergehend mit der ursächlichen Therapie, gilt es, die Verspannungen zu lösen. Hierzu bieten sich funktionale Übungen von Cornelius L. Reid an, unterstützend ggf. Übungen von Romert oder Rabine. Ein erfahrener Gesangspädagoge hilft hier weiter, auch wenn es nur darum geht, die Sprechstimme zu stabilisieren.

Generell helfen alle leisen, hauchigen, gesäufzten, weinerlichen und stöhnenden Töne, die Vocalis­hyperfunktion zu besänftigen. Erfahrungsgemäß tun sich Betroffene hier teilweise mit schwer, es kommt bei erster Befreiung der Falsettfunktion (d.h. der Auflösung der Hyperfunktion) zu starken emotionalen Reaktionen, z.B. weinen, aber auch schon einmal zu einem Freiheitsgefühl. Hier zeigt sich, warum psychotherapeutische Intervention manchmal nicht falsch ist: Alle Übungen haben etwas mit Loslassen zu tun, etwas, was z.B. eine alleinerziehende Mutter mit großer Verantwortung und schlechtem Job nur sehr schwer machen kann. Auf einmal nicht mehr zu kämpfen wird ihr sehr schwerfallen.

Reid sagte hierzu:

Destroy the voice; destroy the psyche. Restore the voice; restore the Psyche.

Cornelius Reid auf liberatedvoice.com