Darf man im Stimmbruch singen?

Singen im Stimmbruch – schadet es der Stimme?

Ob Jungen im Stimmbruch (=Mutation) singen sollten ist immer wieder gerne diskutiert und Gesangslehrer vertreten beide Meinungen.

Singen im Stimmbruch – eine Chance für die Stimme!

Als funktionaler Lehrer sehe ich den Stimmbruch als eine riesen Chance für die Stimme: Durch den Wachstumsprozess der Stimmlippen ist vieles Durcheinander. Chaos ist die Chance für Neuorganisation – und diese sollte man nutzen.

Eine der funktionalen Strategien beim Gesangsunterricht und auch in der Feldenkraisarbeit ist es immer wieder, die Stimme bzw. allgemein gesprochen Muskelkoordinationen zu verwirren um diese danach zu restrukturieren. Der Stimmbruch übernimmt nun schon diesen Job für den Lehrer. Wichtig für Singen im Stimmbruch ist aber folgendes:

  • Erlaube dir absolut schief zu singen, zu kieksen oder nur heiße Luft zu singen
  • Forciere keine Töne
  • Sei geduldig

Auf keinen Fall sollte der Sänger versuchen, Stimmideale nachzuahmen, zu singen wie xyz – all dieses hindert die natürliche Stimmentwicklung. Wichtig ist von Lehrerseite, die Stimmen gut zu betreuen und dem Schüler emotionale Sicherheit zu geben!

Bei meiner unregelmäßigen Tätigkeit in der Schule als Stimmbildner stelle ich immer wieder fest, dass die Jungen teilweise vermutlich durch Scham ihre Stimme sehr festhalten und nach unten drücken. Die Folge ist eine sehr harte und viel zu tiefe Stimme. Ich versuche dann in der Einzelstimmbildung immer zu intervenieren, die Sicherheit zu geben: “Das ist ok, wenn deine Stimme ein wenig rumkiekst, es passiert nichts schlimmes!” Ich habe nämlich schon erlebt, dass dieses im Stimmbruch erlernte Muster sich so verfestigt, dass durch den Stimmbruch eine hyperfunktionelle Dysphonie herangezüchtet wird! Diese ist dann nur mit erheblichem Aufwand aufzulösen.

Fazit

Singen im Stimmbruch kann wenn man es falsch macht, wie jede Tätigkeit, die falsch gemacht wird, schädlich sein. Unter der richtigen Betreuung ist es aber eine riesen Chance!

4 Gedanken zu „Darf man im Stimmbruch singen?

  1. Yvonne Adelmann Antworten

    Hallo Cornelius,
    ich bin auch Gesangslehrerin und betreue viele Jugendliche. Ich stimme dir in jedem Punkt voll zu! Nur vermeide ich im Sprachgebrauch das Wort Stimmbruch, sondern spreche lieber von Stimmwechsel oder Mutation. Wenn vorher schon gesungen wurde, und diese Übergangszeit gut betreut wird, gibt es keinen Bruch, sondern einfach einen Übergang. Das Wort Bruch klingt mir zu brutal, als würde etwas kaputt gehen. Ich würde mir wünschen, dass sich das mehr durchsetzt, dass Pädagogen das Wort Stimmbruch abschaffen.

    • Cornelius Berger Autor des BeitragsAntworten

      Hallo Yvonne, vielen Dank für die Zustimmung, freut mich, dass du es auch so siehst!
      Die Blogbeiträge sind unter anderem auch für Suchmaschinenoptimierung entstanden. Das gängige Wort ist hierbei Stimmbruch. Natürlich habe ich aber am Anfang des Beitrags direkt auch auf das Wort Mutation verwiesen. Beide Wörter können jedoch in positivem als auch negativem Kontext gesehen werden. Sollbruchstellen im Auto retten z.B. Leben während Mutationen im Körper Krebs sein können, und dieses zerstören. Häufig ist es nicht das Wort an sich, sondern der Umgang mit Worten der die Konnotation ausmacht.

  2. Liam Antworten

    Danke Sie haben mir sehr geholfen . In meiner Schule sind die Lehrer leider ganz anders gerade die Musik Lehrer die ich bisher hatte , hatten keine Ahnung von der Stimme und haben mir und vielen meiner Mitschüler schlechtere Noten gegeben weil wir den Ton nicht richtig getroffen haben . Ihr Text gibt mir da neue Hoffnung das ich mich nicht dazu zwingen muss Perfekt zu sein sondern meinem Körper die Nötige Zeit zu geben die er braucht .

    • Cornelius Berger Autor des BeitragsAntworten

      Hallo Liam!
      Danke für deinen Kommentar. Das Studium zum Musiklehrer ist sehr breit gefächert: 1/3 allgemeine Pädagogik, die jeder Lehrer hat, d.h. der Mathelehrer hat die selben Pädagogikvorlesungen, wie der Musiklehrer, 1/3 das zweite Fach, z.B. Mathe, Französisch, Sport und 1/3 Musik. Von diesem drittel Musik gliedert sich das Studium instrumental betrachtet in das Haupt-, Neben- und Pflichtfach – bei mir waren das Gesang, Klavier Schlagzeug. Dazu kommen dann Vorlesungen in Musikgeschichte, Musiktheorie, Musikpädagogik und vieles mehr. So ist es letztendlich gar nicht möglich, dass deine Musiklehrer echte Stimmexperten sind, da das Wissen in der Regel sehr in die Breite, aber nicht in die Tiefe geht.

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