Organisatorische Vorbereitung auf Eignungsprüfungen

Ein chaotischer Schreibtisch mit Büchern zum Thema Harmonielehre

Organisatorische Vorbereitung auf Eignungsprüfungen

In meiner Tätigkeit als Gesangslehrer habe ich häufig Schüler, die sich auf Eignungsprüfungen vorbereiten. Dieses können Eignungsprüfungen für ein Musicalstudium, klassisches Gesangsstudium, Studium der Gesangspädagogik oder Schulmusik, aber auch ein Hochschulstudium Schauspiel sein.
Meine Aufgabe dabei ist erst einmal, die Stimme funktional auszubilden – und damit sollte mein Job erledigt sein. Leider sieht die Praxis anders aus: Immer wieder stoße ich auf einen Scherbenhaufen an Organisationsfähigkeit.
Also wird aus dem Gesangslehrer ein… keine Ahnung, das Wort Papa ist ganz passend.

Sicherheitshinweis!

Dieser Artikel beinhaltet ungefilterte rohe Gedanken und könnte auf Menschen, die die Wahrheit nicht vertragen können verstörend wirken. OK, ist ein Scherz, aber ein “Rant”, eine “Schimpftirade” mit Lösungsansätzen ist er schon.

Wie es nicht ablaufen sollte

Hier eine Anleitung, wie du erfolgreich deine Eignungsprüfung versemmelst, ohne sie überhaupt zu absolvieren.

  • Frist verpasst. Der Klassiker, immer wieder gerne gesehen.
  • Frist so knapp eingehalten, dass die Post nicht rechtzeitig ankam, oder aber auch das Sekretariat die Post verschlampt hat, und keine Zeit mehr war, einen zweiten Brief zu verschicken
  • Unrealistische Zeiteinschätzung: “Och ich habe ja noch zwei Monate Zeit, bis dahin werde ich mich schon passend vorbereiten können.” Dabei tritt natürlich gleichzeitig der nächste und übernächste Punkt ein:
  • Der Schüler weiß überhaupt nicht, was für die Eignungsprüfung verlangt ist
  • Ebensowenig weiß er (oder natürlich auch sie) überhaupt nicht, wie der eigene Leistungsstand ist
  • Unfähigkeit, nach Hilfe zu fragen. “Ja ich dachte, ich schaffe das alleine.” Ergebnis im konkreten Fall: Kadenz mit völlig chaotischen Fingersätzen gelernt. Wie kann es bitte sein, dass die Schülerin bei einer Klavierlehrerin Klavierunterricht hat, die Klavierlehrerin vom Studienwunsch weiß, und noch nicht mals die Basis macht. Leider auch ein typisches Bild. Regelmäßig muss ich feststellen, dass ich sehr viele inkompetente Kollegen habe.
  • Lese schlampig: Die eine Hochschule definiert einen modernen Monolog ab 1960, die andere ab z.B. 1970. Bereite auf jeden Fall einen Monolog aus dem Jahr 1960 vor. Das erhöht den Nervenkitzel, ob die andere Hochschule, die modern ab 1970 definiert auch mit 1960 zufrieden ist. Direkt einen ab 1970 zu lernen und die Bedingungen beider Hochschulen mit nur einem Monolog zu erfüllen wäre ja langweilig.
  • Leite allgemeingültige Thesen ab: Uni Siegen, Hochschule Detmold, Uni Dortmund verlangen für ein Schulmusikstudium zwei Klavierstücke aus zwei verschiedenen Epochen. Das wird für Essen also auch so gelten. Vor Jahren ist genau die Situation bei mir selbst eingetreten! Essen verlangte damals drei Klavierstücke und nicht zwei. Ich habe es am Vorabend gemerkt und dann Ballade pour Adeline rausgesucht, weil es das einzige Stück war, was ich noch spielen konnte. Situation mit einem fragwürdigen Stück für eine Eignungsprüfung knapp gerettet. Trotz sorgfältiger Organisation (s.u.) ist dann doch noch was schiefgegangen.
  • Beim Onlineverfahren: Lade deine Videodatei mit dem Gesang in den Ordner Tanz oder Schauspiel und lass den Gesangsordner leer. Die Hochschule hat nur auf dich gewartet und liebt es, selbst nach der Datei zu suchen und wird das Mangels anderer Bewerber auch gerne tun!

Obiges kurz und bündig zusammengefasst:

Der Gymnasiast von heute kann Gedichte in drei Sprachen organisieren, scheitert aber daran, ein Formular vollständig ausgefüllt und (nicht oder!!!) termingerecht abzuschicken.


Cornelius Berger

Meine Lösung – eine große Tabelle

Struktur ist also gefragt. Für die Vorbereitung auf ein Hochschulstudium oder Studium an der Uni, für Gesang, Schulmusik, aber auch Schauspiel und auch Kunst hilft es, sehr strukturiert sich auf die Eignungsprüfungen vorzubereiten.

Ich halte eine große, intelligente und interaktive Tabelle hierbei für den Gold-Standard:

Eine interaktiove Tabelle mit einer Übersicht von Unis und Hochschulen und deren Anforderungen für ein Musikstudium
Klick für Downlad im LibreOffice Calc Format.

Redundanzen vermeiden

Im Flugzeug sind die sicherheitskritischten Systeme bis drei mal parallel vorhanden, ein Backupserver sollte im RAID-Verbund arbeiten, d.h. die Daten auf zwei Festplatten spiegeln. Eine übersichtliche Tabelle sollte diese Redundanzen aber nicht aufweisen.
In der Vorbereitung auf ein Studium riet ich einer Schülerin, eine Tabelle zu machen. Für mich war klar, dass die Tabelle wie oben beschrieben aussehen würde. Tatsächlich aber machte die Schülerin eine Tabelle im A4-Format mit Word, welche letztendlich nur die Informationen der einzelnen Hochschulen in einer Datei hintereinander aufführte.

Einige Erläuterungen zur Tabelle

Keine Gewähr auf die Daten der Eignungsprüfungen und vor allem nicht auf die Anforderungen. Ich habe die Tabelle einfach wild ausgefüllt, da sie hier nur ein Prinzip vernschaulichen soll!

Die “Intelligenz” der Tabelle liegt in den bedingten Formatierungen und vor allem versteckt im Zellbereich AS6:BR28. Die in der Tabelle verwendeten Funktionen im Detail:

  • =MITTELWERT(AD3:AO3) berechnet den Lerndurchschnitt in der Gesamtübersicht
  • Im versteckten Bereich (weiß auf weiß) ermittelt =WENN(H6="x";H$3;""), ob jeweils eine Zelle im linken bereich angekreuzt ist und übernimmt im Fall WAHR den Wert des Lernstandes aus der Gesamtübersicht
  • Weiter rechts wird dann noch der Durchschnitt ermittelt und links (Lernstand Theorie bzw. Praxis) mit =WENN(ISTZAHL(BS6);BS6;"") dort eingetragen.

Fazit

Lieber einmal einige Stunden mit dem ordentlichen Ausfüllen der Tabelle verbringen, als durch Husch-Husch-Arbeitsweise am Ende richtig übel zu scheitern. Ich hoffe, ich konnte hiermit so einigen Leuten den Weg ins Studium erleichtern!

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