Was ist Stütze nicht?

Es wird viel gelehrt, was Stützen sei, es gibt Definitionen wie "eine inspiratorische Gegenkraft", eine "Einatemtendenz beim Singen" und ähnliches. Stützen heißt bei einigen das Zwerchfell anspannen, vom Zwerchfell singen, auf dem Atem singen und ähnliches.

Im Folgenden betrachte ich einige abwegige Stützmethoden:

Den Bauch und die Flanken anspannen

Es wird viel gelehrt, den Bauch und die Flanken anzuspannen, um einen regelämßigen Atemfluss zu erreichen, bzw. den Atemdruck zurückzuhalten, um die Stimme zu entlasten. Auch die populäre Complete Vocal Technique (CVT) unterliegt diesem Irrglauben.

Die Muskeln, die angespannt werden sollen:

  • M. rectus abdominis (gerader Bauchmuskel)
  • M obliquus externus abdominis (äußerer schräger Bauchmuskel)
  • M. transversus abdominis (quer verlaufender Bauchmuskel)
  • M. quadratus lumborum (ein hinterer Bauchwandmsukel)

Mit diesem Mukseln soll angeblich der Atemstrom kontrolliert und zurückgehalten werden, um die Stimmlippen zu entlasten. Das Problem hierbei ist jedoch, dass diese vier Muskeln zur primären Ausatemmuskulatur gehören. Der transversus abdominis bekommt auf dem Klo außerdem eine weitere Funktion. Also: Diese Art von Stützen könnte in die Hose gehen…

Was also mit dieser Stützmethode passiert ist, dass riesige Muskeln einen Überdruck erzeugen, der die kleinen Stimmlippen völlig Überfordern. Der österreichische Phoniater Hubert Noé sagt, dass die Ausatemmuskulatur 100 mal stärker sei als die Stimmlippen.

Wenn nun aber Stützen das Zurückhalten von Luft sei, muss also hier die Einatemmuskulatur aktiviert werden. Die primäre Einatemmuskulatur sind das Zwerchfell und die externe Rippenmuskulatur.

Vom Zwerchfell singen / Das Zwerchfell anspannen

Eine Gesangsprofessorin an der Uni sagte mir, ich solle Impulse vom Zwerchfell geben. Eine interessante Anweisung: Das Zwerchfell unterliegt nicht der willentlichen Steuerung, d.h. diese Anweisung ist unmöglich durchzuführen. Aber nehmen wir mal an, es sei möglich, einen Impuls vom Zwerchfell zu geben, dann würde sich das Zwerchfell folglich anspannen. Wenn das Zwerchfell sich anspannt, atmen wir jedoch ein. Lustig wäre es gewesen, jeden gesungenen Ton mit einem einatmenden Röcheln zu beginnen.

Letztendlich sagen viele Gesangslehrer, es soll vom Zwerchfell gesungen werden, strecken den Bauch raus, oder spannen ihn an. Mit dem Zwerchfell hat das nichts zu tun.

Was ist denn nun Stütze?

Die oben genannten absurden Stützmethoden müssen irgendwo ihren Ursprung haben. Was vermutlich passiert ist, ist, dass irgendwann in Jahrhunderten der Gesangspädagogik Ursache und Wirkung umgekehrt wurden.

Wenn ich richtig singe, dann merke ich selbstverständlich bei einigen Tönen eine erhöhte Aktivität im Bauchraum. Die Ursache sind Geschehnisse im Kehlkopf. Hier herrscht bei einer gut ausgebildeten Stimme ein harmonisches Gleichgewicht an Muskelkräften. Klangvorstellung und Ästhetikgefühl fordern nun automatisch den richtigen Luftstrom an, der für den optimalen Kehlkopfbetrieb nötig ist.

Stütze ist das Resultat guten Gesanges, nicht die Ursache.