Unter einer Hyperfunktion versteht man eine muskuläre Aktivität die über das optimale Niveau hinausgeht. Hyperfunktionen sind somit bei fast jedem Menschen vorhanden, ohne, dass sie als pathologisch angesehen werden müssen. Erst, wenn die Hyperfunktion Beeinträchtigungen im Leben bereitet, bedarf diese Behandlung.

Symptome

Folgende Symptome deuten auf eine Hyperfunktion hin:

  • Heiserkeit (insbesondere nach intensiverem Stimmgebrauch)
  • schnelle Ermüdbarkeit der Stimme
  • Träge Tonhöhenregulation
  • (völliger) Verlust des Kopfregisters
  • (völliger) Verlust der Falsettfunktion
  • "Loch" in der Stimme im Passagiobereich
  • Häufiger Räusperzwang
  • Globusgefühl, Frosch im Hals
  • Fremdkörpergefühl
  • Gefühl als würde ein Ring um den Kehlkopf gelegt, und zugezogen sein
  • Hauchige Stimme
  • Raue Stimme
  • Sichtbarer Einsatz der äußeren Halsmuskulatur beim Singen
  • Verzerrtes Gesicht beim Singen

Ursachen

Ursachen einer Hyperfunktion sind Verspannungen, und Reflux, welcher die Verspannung verstärkt. Durch falschen Gebrauch und falsche Gewohnheiten kommt es auch vor, dass die falschen Muskeln Aufgaben anderer Muskeln übernehmen. Falscher Gebrauch kann es zum Beispiel sein, Lautstärke stimmlich kompensieren zu wollen – auf Partys oder sehr häufig: Als Lehrer in der Klasse. Weitere Ursachen sind Rauchen und Trinken.

Im konkreten Fall einer stimmlichen Hyperfunktion sieht das so aus, dass der M. vocalis die Tonhöhenregulation übernimmt, an Stelle des M. cricothyroideus.

Es kommt ebenfalls vor, dass eine Hypofunkion mit einer Hyperfunktion versucht wird zu kompensieren, was zu einem problematischen gemischten Krankheitsbild führt.

 

Ursachen einer Hyperfunktionellen Dysphonie sind laut der Klink am Osterbach, Bad Oeyinghausen:

 

  • Stimmüberlastung
  • Stimmmissbrauch
  • erhöhter Geräuschpegel
  • Party-Syndrom
  • Rauchen
  • Trinken
  • Sprechen mit schwerhörigen Angehörigen
  • Singen in zu hoher Lage
  • übermäßiges Husten und Räuspern
  • schlechter körperlicher Allgemeinzustand
  • Hörwahrnehmungsdefizite
  • Stress
  • berufliche Überforderung

 

(Klink am Osterbach)

Behandlung

Ist Stress die Ursache von Hyperfunktion, so ist die Stressreduktion ein wichtiges Mittel. Ein Buch, welches sich ausführlich mit der Thematik auseinandersetzt ist "StressDepression" von Otto Benkert.

Einhergehend mit der ursächlichen Therapie, gilt es, die Verspannungen zu lösen. Hierzu bieten sich funktionale Übungen von Cornelius L. Reid an, unterstützend ggf. Übungen von Romert oder Rabine. Ein erfahrener Gesangspädagoge hilft hier weiter, auch wenn es nur darum geht, die Sprechstimme zu stabilisieren.

Generell helfen alle leisen, hauchigen, gesäufzten, weinerlichen und stöhnenden Töne, die Vocalis­hyperfunktion zu besänftigen. Erfahrungsgemäß tun sich Betroffene hier teilweise mit schwer, es kommt bei erster Befreiung der Falsettfunktion (d.h. der Auflösung der Hyperfunktion) zu starken emotionalen Reaktionen, z.B. weinen, aber auch schon einmal zu einem Freiheitsgefühl. Hier zeigt sich, warum psychotherapeutische Intervention manchmal nicht falsch ist: Alle Übungen haben etwas mit Loslassen zu tun, etwas, was z.B. eine alleinerziehende Mutter mit großer Verantwortung und schlechtem Job nur sehr schwer machen kann. Auf einmal nicht mehr zu kämpfen wird ihr sehr schwerfallen.

Reid sagte hierzu:

“destroy the voice; destroy the psyche.  Restore the voice; restore the Psyche.” (Quelle: http://www.liberatedvoice.com/the-vagus-nerve-and-the-larynx/)